Hufkratzer richtig benutzen
Der Hufkratzer ist das einfachste Werkzeug im Putzkasten – und trotzdem entscheidet die Technik darüber, ob das tägliche Auskratzen sicher und gründlich gelingt. Wer hastig arbeitet, übersieht eingeklemmte Steine, erwischt mit der Spitze die empfindlichen Ballen oder bringt sich selbst in eine Position, aus der man nicht schnell genug ausweichen kann. Diese Anleitung zeigt Schritt für Schritt, wie Sie die Hufe Ihres Pferdes auskratzen, worauf Sie dabei achten und welche Beobachtungen in die Hände von Hufschmied oder Tierarzt gehören. Passendes Werkzeug finden Sie in unserer Kategorie Hufpflege.
Vorbereitung: sicherer Stand für Mensch und Pferd
Binden Sie das Pferd auf ebenem, rutschfestem Boden an – mit einem Strick mit Panikhaken und einem Sicherheitsknoten, der sich mit einem Zug lösen lässt – oder lassen Sie es von einer zweiten Person halten. Wie Sie richtig anbinden, erklärt der Ratgeber Stallhalfter vs. Weidehalfter. Sprechen Sie das Pferd an, bevor Sie es berühren, damit es nicht erschrickt, und arbeiten Sie immer in der gleichen Reihenfolge. Viele Pferde lernen so schnell, welcher Huf als Nächstes an der Reihe ist. Verbreitet ist etwa die Folge links vorne, links hinten, rechts vorne, rechts hinten – so wechseln Sie nur einmal die Seite und müssen nicht um das Pferd herumlaufen. Gehen Sie dabei vorne um das Pferd herum, nicht hinter ihm entlang.
Stellen Sie sich seitlich neben das Pferd, mit dem Gesicht in Richtung Schweif. Für die Vorderhufe stehen Sie auf Höhe der Schulter, für die Hinterhufe auf Höhe der Hüfte – nie direkt hinter dem Pferd. Knien oder setzen Sie sich nicht hin; mit leicht gebeugten Knien oder in der Hocke können Sie jederzeit zurücktreten.
Den Huf aufnehmen
Streichen Sie mit der Hand, die dem Pferd am nächsten ist, ruhig am Bein entlang nach unten bis zur Fessel. Viele Pferde heben den Huf bereits auf einen leichten Druck an der Beugesehne oberhalb der Fessel oder auf ein vereinbartes Wort hin an. Fassen Sie den Huf dann von unten, sodass die Sohle nach oben zeigt, und halten Sie ihn nah am Pferd, nicht weit zur Seite gezogen – das ist für das Pferd bequemer und für Sie sicherer. Hält ein Pferd den Huf nicht oder zieht es ihn immer wieder weg, finden Sie Übungsschritte im Ratgeber Pferd lässt die Hufe nicht geben.
Die Technik: von der Ferse zur Spitze
Setzen Sie den Hufkratzer im Bereich der Ballen an und führen Sie ihn in gleichmäßigen Zügen in Richtung Zehe. Gearbeitet wird immer vom Körper weg und von den empfindlichen Ballen weg. Rutscht der Kratzer ab, zeigt die Spitze dann ins Leere statt auf Ihre Hand oder die Ballen des Pferdes. Reinigen Sie zuerst die beiden seitlichen Strahlfurchen (Begriffe rund um den Huf erklärt das Glossar), also die Rinnen links und rechts neben dem v-förmigen Strahl, anschließend die mittlere Strahlfurche und zuletzt die Sohle und den Rand an der Hufwand. Der Strahl selbst ist elastischer und empfindlicher als die harte Sohle: Stechen Sie nicht hinein, sondern ziehen Sie den Schmutz mit spürbarem, aber nicht grobem Druck heraus.
Ein Hufkratzer mit Bürste erleichtert den letzten Schritt: Nach dem groben Auskratzen bürsten Sie feinen Sand und Erde ab, sodass Sie Sohle, Strahl und – bei beschlagenen Pferden – den Übergang zwischen Eisen und Sohle gut sehen. Stellen Sie den Huf anschließend kontrolliert ab, statt ihn fallen zu lassen.
Worauf Sie beim Auskratzen achten sollten
Das tägliche Auskratzen ist die beste Gelegenheit, Veränderungen früh zu bemerken. Diagnosen stellen Sie damit nicht – aber Sie wissen, wann Sie jemanden fragen sollten:
- Übler Geruch, schwarze, schmierige Masse in den Strahlfurchen: Das kann auf Strahlfäule hindeuten. Sprechen Sie Ihren Hufschmied oder Tierarzt an; saubere, trockene Einstreu und regelmäßiges Auskratzen gelten als wichtige Grundlage der Vorbeugung.
- Fremdkörper in der Sohle: Eingeklemmte Steine entfernen Sie mit dem Kratzer. Steckt dagegen ein Nagel oder etwas Spitzes in der Sohle, ziehen Sie es nicht heraus und rufen den Tierarzt.
- Deutlich warmer Huf, pochender Puls an der Fessel, vorsichtiger oder klammer Gang: Das sind Warnzeichen, bei denen Sie nicht bis zum nächsten Schmiedetermin warten, sondern umgehend den Tierarzt verständigen.
- Lockeres Eisen, hochstehende Nägel, tiefe Risse: ein Fall für den Hufschmied. Tiefer gehende Veränderungen des Horns beschreibt der Ratgeber Hufe bröckeln und wirken trocken.
Den passenden Hufkratzer wählen
Für die tägliche Routine genügt ein stabiler Hufkratzer mit einer gebogenen Spitze, die nicht nachgibt, und einem Griff, der auch mit Handschuhen sicher in der Hand liegt. Modelle mit integrierter Bürste sparen den Werkzeugwechsel. Ein zweites Exemplar für Reittasche oder Anhänger ist praktisch, damit der Kratzer bei Ausritten und Turnieren nicht fehlt. Legen Sie den Hufkratzer nach dem Gebrauch zurück in die Putzbox und nicht auf den Boden, wo Pferd oder Mensch darauf treten könnten.
Hygiene: ein Hufkratzer pro Pferd
Wie Bürsten und Striegel sollte auch der Hufkratzer nicht ungereinigt von Pferd zu Pferd wandern. Klopfen Sie ihn nach Gebrauch ab und waschen Sie ihn gelegentlich mit Wasser aus. Warum eigenes Putzzeug im Stall sinnvoll ist, erklärt der Ratgeber Putzzeug verschmutzt – Pilzgefahr durch geteiltes Zubehör. Ein eigener, griffbereiter Hufkratzer gehört für die meisten Ställe zur Erstausstattung.
Hufkratzer im Überblick
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Häufig gestellte Fragen
Warum von der Ferse zur Spitze und nicht umgekehrt?
Wie oft sollte ich die Hufe auskratzen?
Was tue ich, wenn ein Nagel oder spitzer Gegenstand in der Sohle steckt?
Darf ich mich beim Auskratzen hinknien?
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