Pferd lässt die Hufe nicht geben
Ob beim täglichen Auskratzen oder beim Termin mit dem Hufschmied: Ein Pferd, das die Hufe nicht geben will, macht die Hufpflege anstrengend und mitunter gefährlich. Wichtig vorab: Sicherheit für Mensch und Tier steht an erster Stelle. Gewalt oder Zwang lösen das Problem nicht, sondern verstärken die Abwehr meist. Mit Geduld, einer sicheren Position und kleinen Schritten lässt sich das Hufe-Geben bei vielen Pferden gut aufbauen – vorausgesetzt, Schmerzen sind als Ursache ausgeschlossen.
Mögliche Gründe
Warum ein Pferd den Huf nicht hebt oder ihn immer wieder wegzieht, lässt sich meist nur im Einzelfall klären. Häufige Gründe sind:
- Fehlende Übung: Junge oder wenig gearbeitete Pferde haben das Hufe-Geben noch nicht als Routine verinnerlicht.
- Schlechte Erfahrungen: Hastiger, grober Umgang oder ein Huf, der zu hoch und zu weit zur Seite gezogen wurde, können zu Abwehr führen.
- Gleichgewicht: Auf drei Beinen zu stehen, fällt manchen Pferden auf unebenem oder rutschigem Boden schwer – vor allem, wenn sie nicht gerade stehen.
- Schmerz oder Unwohlsein: Schmerzen im angehobenen Huf, aber auch im Standbein, in Gelenken oder im Rücken können dazu führen, dass ein Pferd das Anheben verweigert.
Diese Aufzählung dient der Einordnung, nicht der Selbstdiagnose. Verweigert ein Pferd, das bisher zuverlässig mitgearbeitet hat, plötzlich oder nur an einem Bein, oder lahmt es zusätzlich, lassen Sie das tierärztlich abklären, bevor Sie weiter üben.
Die sichere Ausgangsposition
Üben Sie auf ebenem, griffigem Boden, mit angebundenem Pferd (Panikhaken, Sicherheitsknoten) oder mit einer Helferin am Kopf. Stellen Sie sich seitlich neben das Pferd, mit Blick in Richtung Schweif: für die Vorderbeine auf Höhe der Schulter, für die Hinterbeine auf Höhe der Hüfte, die Hand ruhig auf der Kruppe. Knien Sie nicht und stellen Sie sich nie direkt hinter das Pferd. Tragen Sie feste Schuhe und behalten Sie einen Weg im Blick, über den Sie ausweichen können.
Achten Sie darauf, dass das Pferd auf allen vier Beinen gleichmäßig steht. Steht es „schief“, fällt ihm das Verlagern des Gewichts schwerer. Ein kleiner Schritt vor oder zurück hilft oft mehr als jede Korrektur am Bein.
Training in kleinen Schritten
Bauen Sie das Hufe-Geben so kleinschrittig auf, dass das Pferd bei jedem Schritt entspannt bleiben kann:
- Berühren: Streichen Sie ruhig über Schulter oder Hüfte am Bein entlang nach unten. Bleibt das Pferd stehen, loben Sie und hören auf.
- Gewicht verlagern: Lehnen Sie sich leicht gegen Schulter oder Hüfte, sodass das Pferd das Gewicht auf das andere Bein nimmt. Ein kurzes Zupfen an den Fesselhaaren oder ein fester Griff an der Beugesehne oberhalb der Fessel, zusammen mit einem vereinbarten Wort, wird zum Signal.
- Kurz anheben: Hebt das Pferd den Huf, halten Sie ihn nur einen Augenblick und stellen ihn dann kontrolliert wieder ab – bevor das Pferd ihn wegzieht. Das Abstellen-Dürfen ist für viele Pferde selbst eine Belohnung.
- Dauer steigern: Verlängern Sie die Haltezeit erst, wenn der vorige Schritt zuverlässig klappt. Halten Sie den Huf nah am Körper und nicht zu hoch – ältere Pferde mit steifen Gelenken sind dafür besonders dankbar.
Kurze, häufige Wiederholungen in ruhiger, vertrauter Umgebung sind meist erfolgreicher als seltene, lange Übungseinheiten. Beenden Sie jede Einheit mit einem gelungenen Versuch. Wichtig ist eine ruhige, klare Körpersprache: Hektik oder Ungeduld übertragen sich schnell auf das Pferd. Zieht es den Huf weg, lassen Sie los, statt einen Kampf zu beginnen, und beginnen Sie mit einem leichteren Schritt von vorn.
Besondere Vorsicht an den Hinterbeinen
An den Hinterbeinen ist ein Tritt am gefährlichsten. Legen Sie die Hand ruhig auf die Kruppe, streichen Sie über den Oberschenkel am Bein entlang nach unten und bleiben Sie dicht am Pferd – in unmittelbarer Nähe ist die Wucht eines Tritts geringer als auf halbe Beinlänge Abstand. Viele Pferde heben das Hinterbein mit einer kurzen Bewegung nach oben, bevor sie es ruhig halten. Lassen Sie diesem ersten Zucken Zeit, bevor Sie den Huf fassen.
Vor dem Hufschmiedtermin
Üben Sie in den Tagen vor dem Termin täglich, und sprechen Sie offen mit dem Hufschmied, wenn Ihr Pferd Schwierigkeiten hat. Viele Schmiede haben Erfahrung mit unsicheren Pferden und wissen, welche Haltung für ein bestimmtes Pferd angenehm ist. Bewegung vor dem Termin, ein ruhiger, vertrauter Platz und genügend Zeit helfen oft mehr als jede Hilfsmittel-Lösung. Bei anhaltenden Schwierigkeiten ist es sinnvoller, einen erfahrenen Ausbilder hinzuzuziehen, als das Training lange allein fortzusetzen – Frust auf beiden Seiten kann bestehende Unsicherheiten sonst festigen.
Auch die Ausrüstung spielt eine Rolle: Drückt das Halfter oder hängt das Pferd unbequem angebunden, überträgt sich diese Anspannung auf die ganze Situation. Mehr dazu im Ratgeber Halfter drückt am Genick.
Wenn es klappt: die Routine festigen
Sobald das Pferd die Hufe zuverlässig gibt, gehört das Aufnehmen und Auskratzen jeden Tag dazu – so bleibt die Routine erhalten und Sie bemerken Veränderungen an Huf und Horn früh. Wie das Auskratzen selbst funktioniert, beschreibt der Ratgeber Hufkratzer richtig benutzen. Fällt Ihnen dabei trockenes oder bröckeliges Horn auf, hilft der Ratgeber Hufe bröckeln und wirken trocken bei der Einordnung.
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Häufig gestellte Fragen
Wie lange sollte eine Übungseinheit dauern?
Darf ich den Huf mit einem Strick hochbinden?
Kann Schmerz der Grund sein?
Sollte ich mit Leckerli belohnen?
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